In sehr bewegten Zeiten fällt es vielen von uns sehr schwer das richtige Maß, den richtigen Weg zu finden. Wir sind verunsichert, wir sind verängstigt, obwohl wir (fast) alle Christen sind und im Glauben eigentlich eine Richtschnur für unser Leben und für unser Handeln hätten.

Pfarrer Ernst Kögler aus Bad Feilnbach hat das in einer seiner letzten Predigten sehr gut beschrieben. Vielen von uns könnte das neuen Mut, neue Kraft geben. Gemeinsam leben bedeutet nicht nur gemeinsam Politik zu machen. Gemeinsam leben bedeutet auch zusammen in eine Richtung zu schauen, einen Weg gemeinsam mutig zu gehen und in Gottvertrauen für ein gemeinsames Ziel zu arbeiten.

Aus diesem Grund möchten wir Ihnen diese Predigt gerne zum Nachdenken hier wiederholen:

 

Auch wenn nach alter Tradition Christbaum und Krippen in den Kirchen zumindest bei uns noch bis Lichtmeß prangen, so ist doch das Weihnachtsfest vorbei. Allerorten werden allmählich Christbäume, Krippen und Lichter abgebaut und weggeräumt.

Auch im heutigen Evangelium beginnt etwas Neues. Jesus beruft seine ersten Jünger. Zusammen mit Ihnen wird er schon bald durch Galiläa und bis nach Jerusalem ziehen, das Reich Gottes verkünden, Kranke heilen und Dämonen austreiben.

Bevor die Jünger jedoch mit ihm gehen, wollen sie von ihm wissen: Wo wohnst du? Wo bist du daheim?

Wir sind wie die meisten Menschen recht heimatverbunden. Unsere Herkunft, unsere Heimat und unser Zuhause sind wichtige Teile unserer Lebensgeschichte. Wir brauchen Wurzeln, um zu leben und zu wachsen. Bäume wachsen aber nicht in die Erde hinein, sondern nach oben in den Himmel hinauf.

Wir vergessen also nicht, wo wir herkommen. Genausowenig wollen wir vergessen, wohin die Reise des Lebens geht. Und: Wem wir folgen wollen, damit unsere Lebensreise glückt, d.h. damit wir ans Ziel kommen.

 

Was ist unser Ziel?

 

Wir tragen Verantwortung auch dafür, wem wir unser Vertrauen schenken! Und von wem wir uns rufen lassen! Wem wir nachgehen! Das ist eine Entscheidung und will überlegt sein, das ist nicht nur eine Sache der Gefühle!.

Andreas und sein Compagnon sowie schließlich sein Bruder Simon sind dem gefolgt, auf den Johannes der Täufer verwiesen hat:

Wo wohnst du? – Kommt und seht selber!, antwortet Jesus. Und je länger sie mit ihm leben, desto mehr wundern sie sich. Je mehr sie sich wundern, desto mehr werden sie über ihren eigenen Horizont hinausgeführt (was nicht immer angenehm ist). Ja, und sie werden sich nicht nur wundern, sie werden immer wieder auch erschüttert werden, vielleicht sogar bis in ihre Grundfesten hinein. Bis ihnen die Augen aufgehen. Bis sie wirklich gewahr werden, woher Jesus kommt und wohin er geht – und welches sein Weg hier auf Erden ist.

Von diesem irdischen Weg spricht auch ein uraltes Mariengebet der Kirche, das seit Generationen gläubige Christen durch ihre Erden-Zeit geführt hat: das Salve Regina.

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, … Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas. Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsre Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes! O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

In unserem Wohlstand haben wir uns oft daran gewöhnt, solche Gebete nicht mehr zu verstehen: weder das Elend dieser Welt noch das Glück des Himmels. Wahr bleiben sie trotzdem. In diesem Spannungsbogen bewegen wir uns.

Fragen wir im irdischen Elend, dem auch wir bei allem menschlichen Können und Wissen nicht entrinnen können!, nicht nur nach dem Warum, sondern fragen wir uns nach dem Wozu! Nach dem Wohin!

 

…. Aber müßte man als Pfarrer nicht Zuversicht, Trost und Hoffnung verbreiten? … Stimmt, aber muß er nicht auch Hilfestellung zur Unterscheidung der Geister, wes Geistes Kind ein Gedanke ist, liefern?

Und: Was ist eigentlich mit „Hoffnung, Trost und Zuversicht“ gemeint? – Ein gutes Wort zur rechten Zeit. Ja, das brauchen wir im persönlichen Umgang. Aber darüber hinaus ist auch grundsätzlich zu fragen: Was ist die christliche Hoffnung? Woraus speist sich der Trost?

Wenn ich mich nicht täusche, … verstehen heute die meisten unter Hoffnung: Optimismus, es wird schon wieder, positiv denken und sowas. Ich bin als Christ aber weder zu Optimismus angehalten noch zu Pessimismus, sondern zu Realismus.

Davon spricht jedes Evangelium!

Nüchterner, wachsamer Realismus, was die irdischen Verhältnisse angeht, und erst recht, was die große Perspektive angeht: wo nämlich unsere Hoffnung liegt: im Himmel. Hoffnung ist etwas fundamental anderes wie Optimismus oder (in dem Sinn) Zuversicht!

 

… Gerade so und erst so kommen wir in die rechte Haltung, um auch die irdischen Zeitläufe und Drangsale2# bestehen zu können. Und warum sollten wir davor verschont bleiben?

Und muß ich Sie als Priester nicht darauf hinweisen: aufs ewige Leben? Und haben nicht die Propheten schon gemahnt und gewarnt, auch was Irdisches anging, damit man umsteuern oder sich vorbereiten konnte?

„Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.“

Beten wir das Salve Regina: Der Trost liegt tatsächlich im Jenseits! Nur: „Dieses Reich Gottes ist euch nahe!“ Und Jesus fügt hinzu: Man muß es schon mit Gewalt, also mit Kraft und Einsatz an sich reißen, dieses Reich Gottes. Man muß es ergreifen! D.h. von der Fernseh-Couch aus geht es nicht.

Herr, wo wohnst du? – Von der großen Perspektive spricht auch das letzte Buch der Bibel. Kommt und seht! Und sie haben sich entschieden, mit Jesus zu gehen, durch alle Lebenslagen hindurch, und dieser Weg mit Jesus führt ins Himmlische Jerusalem, wo Jesus, wo Gott mitten unter uns wohnen wird – und das Lamm ist das Licht und das Leben!

In der Hl. Messe geschieht es schon – jeden Sonntag. Darin liegt der Trost und die Hoffnung und die Zuversicht.

Das, was die Kirche sich schon lange nicht mehr recht zu sagen traut, das pfeift zur Zeit ein Afrikaner … mit „Jerusalema Dance“ von den Dächern. Und seltsam: viele rund um den Erdball singen es ihm nach und tanzen es mit …. Geben Sie es mal auf Youtube ein – die Aufrufzahlen gehen in den dreistelligen Millionenbereich. Und sogar westliche Polizeistationen und Belegschaften von Krankenhäusern tanzen dazu, gerade weil das Lied in der globalen Corona-Zeit entstanden ist, während des ersten Lockdowns …

Ob es aber rund um den Globus auch wirklich verstanden und gelebt wird, das ist eine ganz andere Frage. Nicht nur, weil der Text des Liedes in Zulu geschrieben ist, der Sprache, die in Südafrika am meisten gesprochen wird, aber bei uns nicht verstanden werden dürfte.

 

Der junge südafrikanische Musiker spricht von seiner Hoffnung: Jerusalema !

Gemeint ist das Himmlische Jerusalem, das Ziel unserer Pilgerreise, wohin wir unserem Herrn folgen.

Man muß die Prioritäten richtig setzen; das hilft auch und gerade fürs Leben im Vorläufigen: So wichtig unsere Gesundheit ist, es geht auch!, doch nicht zuallererst um Gesundheit oder ums schlichte Überleben oder Länger-Leben, sondern darum, wie ich die Zeit lebe, die mir gewährt ist auf Erden: sprich, es geht um unser Seelenheil, wie man das früher genannt hat.

Vor lauter irdischen Sorgen sind selbst Kirchen gesperrt und den Gläubigen der Zugang zum himmlischen Sakrament versperrt worden, zum Brot des ewigen Lebens, zum Heiland Jesus Christus.

„Jerusalem ist meine Heimat. Schütze mich, begleite mich, lass mich nicht hier zurück“, heißt es in dem Text und Master KG fährt fort: „Mein Platz ist nicht hier, mein Königreich ist nicht hier.“ Das ist es.

Aus diesem Lied sprüht nicht nur afrikanische Lebensfreude, sondern die richtige Lebensperspektive: ob wir leben oder ob wir sterben (egal wann, wie und wodurch), wir gehören dem Herrn.

Das ist der christliche Trost, die christliche Hoffnung – und diese Perspektive der Ewigkeit vermittelt uns die richtige Haltung auch für diese Zeit: Ein gerüttelt Maß an innerer Distanz auch zum eigenen Lebenslauf, an Gelassenheit und Besonnenheit, die erst Vernunft ermöglicht und rechtes Handeln. Auch das fehlt heute immer mehr, ist aber gerade in Krisenzeiten wichtig.

Das letzte Buch der Bibel, die Apokalypse, malt für die Erdenzeit keine schönen, friedlichen Bilder, es vermittelt in dem Sinne keine Zuversicht, sondern Wahrheit: und es erhebt unseren Blick immer wieder nach oben, in die himmlische Herrlichkeit – und zeigt uns schließlich: das himmlische Jerusalem …

Quelle: Pfr. Ernst Kögler, Bad Feilnbach mit Litzldorf, 17.1.2021

Bild: Pexels auf Pixabay

 

Anmerkung der Redaktion: Es ist sicher ungewöhnlich auf einer politischen Seite die Predigt eines Pfarrers zu veröffentlichen, aber wir sind der Meinung, dass christliche Werte und Grundeinstellungen wesentlich für ein verantwortungsvolles, politisches Handeln sind.

Von Onneb

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